1972

Geboren bin ich am 9. Juli 1972. Ein Monat zuvor schrieben die „Kärntner Nachrichten“, ein FPÖ-Organ: „Eine planmäßige Aussiedlung aller Deutschen aus dem gemischtsprachigen Gebiet wird vorbereitet.“

Am 2. Juli 1972 berichtete die „Volkszeitung“, dass der Kärntner Heimatdienst-Obmann Josef Feldner in Ferlach, wo mein Elternhaus steht, betont habe, „dass der Kärntner Heimatdienst nicht die Absicht habe, zur geplanten Ortstafelregelung zu schweigen und tatenlos zuzusehen, wie sie auf einer völlig unzulänglichen Grundlage zur Durchführung gelangen soll.“

Drei Monate nach meiner Geburt werden in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober direkt von den Feiern zu „52 Jahre Abwehrkampf und Volksabstimmung“ ca. 200 Autos aus Ferlach aufbrochen sein, um sich mit einer ca. 100 Autos starken Kolonne aus dem westlichen Rosental kommend zu vereinigen. Unter lautem Gehupe wird der Demonstrationszug nach Klagenfurt gefahren sein und beim Gebäude der Kärntner Landesregierung gehalten haben. In der „Ortstafelsturm- Dokumentation“ wird festgehalten worden sein, dass einer der Anführer beim Abladen der demontierten zweisprachigen Ortstafeln und Hinweisschilder die Meldung machte: „Meine Herren, unsere Aufgabe ist erfüllt; ich danke Ihnen, die daran teilgenommen haben, nochmals.“ 

Die Kärntner Landesregierung fertigte noch unter dem Landeshauptmann Sima eine „Ortstafelsturm-Dokumentation“ an, die jedoch nie veröffentlicht wurde. Unter dem neuen Landeshauptmann Wagner hatte die Kärntner Landesregierung kein Interesse, dass diese Dokumentation an die Öffentlichkeit gelangt.

Im Jahr 1989, ein Jahr nach meinem gescheiterten Versuch, mein Wissen über das Lager am Loibl im Geschichtsunterricht anzubringen, interpretierte der eben abgelöste Landeshauptmann Wagner das 1972 stattgefundene Unrecht in einem Interview im „Falter“ als „Teil einer spontanen Publikumserhebung, ... als das legale Recht der Bevölkerung, gegen irgendetwas, das sie als Zwangsmaßnahme ansieht, zu demonstrieren.“ (Geschichtliche Tatsachen aus: „Der Kärntner Ortstafelsturm vor 30 Jahren. Eine sozialpsychologische Analyse der Mikropolitik um das Jahr 1972 in Kärnten.“, 2002, Dr. Peter Gstettner)

Wenn mein Vater von der Zeit nach Kriegsende erzählt, dann kommen dabei die Worte Freiheit, Ruhe und Sicherheit nicht vor. Er spricht davon, wie SIE darauf gewartet hätten, dass wieder Krieg käme und dass SIE dann SICHER gewinnen würden.

Orte meiner Kindheit

Eine Begegnung

Aufgrund meiner Sprache

Wo die Erinnerung herkommt

Der Ort der Kindheit meines Vaters

Der Öffentlichkeit nicht preisgegeben

1972

2007 1920

Erinnerungsspuren I

Erinnerungsspuren II

Erinnerungsspuren III

Die Sprache der Mütter

Frieden am Papier

Sommerfrische

Wohin sie nach Hause kommt