Es ist für sie schon immer da.

Juli 1972. Namenssuche für das neugeborene Kind. Es ist der Wunsch des Großvaters Paul, mit seiner Enkelin am gleichen Tag Namenstag zu feiern. Paula wird aufgrund Missfallens seitens der Mutter verworfen, zufriedenstellende Einigkeit gelingt: das Mädchen wird auf den Namen Petra getauft. Gemeinsamer Namenstag: der 29. Juni.

März 1973. Der Großvater stirbt.

Sie lernt ihn nie kennen. Auf Fotos sieht sie einen alten Mann mit fahler Gesichtshaut, tiefen Falten im Gesicht und einer scheinbar großen Nase. Mal mit, mal ohne Hut. Er sei Straßenwärter gewesen. Ansonsten hört sie wenig über ihn. Alkoholiker, dem Karten- und Lottospiel verfallen, immer im Gasthaus. Die Parteibeiträge der SPÖ hätte er eingesammelt.

Wenn Petra aber den Löffel in die Hand nimmt oder auf ihre Art dasteht, werden schmunzelnd die Köpfe geschüttelt: „Sie isst wie er!“ – oder: „Sie steht wie er! – Wie kann das sein? – Ist das nicht lieb?“. Ihr ist schlecht.

Feber 2015. Sie begegnet ihrem Großvater in einer Familienaufstellung.

Ihr gegenüber steht ein müder, unsicherer Mann. Er wird aufgefordert, die Enkelin doch nun endlich zu umarmen, wenn sie schon mal vor ihm steht. Er schaut nach oben, die Arme gesenkt, seine Hände berühren sich, er zögert – er weiß nicht wie.

Orte meiner Kindheit

Eine Begegnung

Aufgrund meiner Sprache

Wo die Erinnerung herkommt

Der Ort der Kindheit meines Vaters

Der Öffentlichkeit nicht preisgegeben

1972

2007 1920

Erinnerungsspuren I

Erinnerungsspuren II

Erinnerungsspuren III

Die Sprache der Mütter

Frieden am Papier

Sommerfrische

Wohin sie nach Hause kommt