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Meine Schwester sagt, Loibltal/Brodi 1 sei der Schnittpunkt der Welten. Die Verortung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die bis heute noch kein Ende genommen haben. Es klingt pathetisch – aber egal wie ich es drehe und wende – sie hat Recht.

Fährt man heute von Klagenfurt südwärts in Richtung Slowenien, so begegnen einem, wenige Kilometer vor dem Grenzübergang, eine Hand voll Häuser, eine Kirche – verstreut im Talverlauf.

Den wirklich Aufmerksamen ist vielleicht das kleine Ortsschild Loibltal/Brodi aufgefallen. Aber auch nur vielleicht. Jedenfalls, eines dieser Häuser, slowenienwärts linkerhand, das letzte von Dreien nach dem Gasthof Deutscher Peter, ist das Geburtshaus meines Vaters. Loibltal/Brodi, Hausnummer 1. Erbaut von meinen Urgroßeltern 1896. Ich habe bisher einmal dort übernachtet, wahrscheinlich als Volksschülerin. Bis 1983 hat meine Großmutter dort gelebt, dann ist sie nach Ferlach gezogen, weil ihr die Winter im entlegenen Tal zu kalt und das Leben zu einsam wurde. Seither ist das Haus unbewohnt. Eines von vielen. Wie vielerorts, am Land.

Wie vielerorts in ländlichen Gebieten verließen aufgrund fehlender Arbeitsmöglichkeiten Anfang des 20. Jahrhunderts viele Menschen das Tal, darüber hinaus war es aber auch stark keimender Deutsch-Nationalismus – entlang der neu gezogenen Grenze nach Auflösung der Monarchie – der die bis dato slowenisch-sprechende Bevölkerung entzweite und viele aus Unsicherheit um ihre Zukunft zum Entschluss brachte, der Heimat den Rücken zu kehren. In den Kriegsjahren 1943 bis 1945 wurde im Tal eine Außenstelle des KZ Mauthausen eingerichtet – Häftlinge mussten unter menschenverachtenden Bedingungen den Loibltunnel graben – um den deutschen Truppen ein rascheres Vorankommen auf den Balkan zu ermöglichen. Die Tatsache, dass nach Kriegsende ein Tabu über die Geschehnisse in den Jahren zuvor gelegt worden ist, an dem weit über 50 Jahre auch in der österreichischen Geschichtsschreibung festgehalten wurde – hinterließ in der Bevölkerung einen tiefen Graben, der immer noch wirksam ist.

In den 1970ern und 1980ern erfuhr das Tal wirtschaftlichen Aufschwung und neue – vor allem automobilisierte Lebendigkeit entstand – da viele Menschen aus dem benachbarten Jugoslawien über die Grenze kamen, um Lebensmittel und Elektro-Geräte zu kaufen, die sie in ihrem Land nicht erhielten und der Ö3 Verkehrsfunk informierte in Urlaubszeiten über knapp zwei Jahrzehnte hinweg von stundenlangen Wartezeiten am Loibltunnel.

Meine kindliche Erinnerung an das Tal sind eben diese Kolonnen von Autos, viele mit Wohnanhängern mit Holländischen und BRD Kennzeichen am Weg an die Adria oder nach Griechenland, aber auch Gastarbeiterfamilien – freitags am Weg in die Türkei und sonntags wieder nach Deutschland. Da war immer „viel los“  wahrlich das Gegenteil von „ländlicher Ruhe oder Idylle“.

Durch die Eröffnung des Autobahngrenzüberganges bei Rosenbach 1991 verlor der Loibltunnel an verkehrstechnischer Bedeutung. Durch die Neuordnung Sloweniens und der Krieg weiten Teilen Jugoslawiens ließ auch die Milka-Rama-Alvorada-Shopping-Welten und Wechselstuben im Loibltal verschwinden.

Heute leben im Loibltal noch ca. 50 Menschen, der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt, Sonntags findet ein Gottesdienst statt. Es gibt einen Gasthof für Touristen, Tschappaschlucht-Besucher und Karawanken-Wanderer finden den  hierher.